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Welche Aktualität dem "Tell" noch heute beizumessen wäre, wenn man das einzige von Hitler persönlich verbotene Drama, das seit einiger Zeit unter permanentem Parodiezwang zu stehen scheint, denn spielte, bewiesen zuletzt Claus Peymann und Christoph Schroth: Während Peymann 1989 mithilfe Josef Bierbichlers als alle Sentenzen unterspielendem Titelhelden das Stück als zeitgemäßes Politdrama neu entdeckte, landete das Staatstheater Schwerin unter Christoph Schroth im gleichen Jahr, kurz vor der Wende, einen großen Coup mit dem Einfall, die Mauern der Zwingburg Uri nach Berlin zu verlegen. Und siehe da - die Axt im Haus erspart den Zimmermann! - alles war an seinem Platz: korrupte Politiker, Passkontrollen und Sprechchöre mit "Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern". - Sogar die Schwierigkeit des "Aufbaus Ost" hatte Schiller, der die Schweizer Vereinigung in ein skeptisches Licht tauchte, bereits vorweg genommen.

 

Was wäre wohl aus den zahlreichen Fragmenten geworden, die Schiller hinterlassen hat? Über "Demetrius" haben die Annahmen ziemlich sicheren Grund.

 

Wahrscheinlich hätte der Dichter das Drama, an dem er bis wenige Tage vor seinem Tod arbeitete, nicht unvollendet gelassen; und es hätte sich - vielleicht - ein historisches Drama von bis dahin nicht gekannten Dimensionen ergeben, in dem - vermutlich - der Geschichte ein Sinn zurückgegeben worden wäre - auf Kosten der Akteure, die sie machen.

 

Sie - die Geschichte - hätte sich wohl nicht mehr nur entsetzlich gezeigt, sondern hätte sich als Hüterin eines geordneten menschlichen Zusammenlebens behauptet, Vergangenes ‚aufhebend' ganz im Hegelschen Sinne: das Verkommene auslöschend, das Bewahrenswerte erhaltend und hinführend auf eine höhere Stufe des Denkens und Handelns.

 

Vielleicht hätte es so werden sollen.



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