Werke bis 1805  11




Das Stück ist - als einziges von Schillers Dramen - ein nach poetologischen Regeln konzipiertes Schauspiel, verfasst mit einem besonderen Augenmerk auf den ‚Volksgeschmack'.

 

Zweifellos ist "Wilhelm Tell" ein Freiheitsdrama, ein Drama mit glücklichem Ausgang. Doch verherrlicht das Stück entgegen Schillers Andeutungen in einem Widmungsgedicht - in dem er das Schweizer Volk, das "fromm die Heerden weidet" und "selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt" gegen das französische ausspielt - nicht die revolutionäre Tat einer Gemeinschaft. Tell ist kein Mitglied der Verschwörergruppe, er ist ein durch die politische Macht beschädigter Privatmann, den Schiller am Beginn des Dramas als entschieden unpolitisch darstellt - Josef Bierbichler hat diesen Zug Tells am Burgtheater 1989 in unnachahmlicher Weise umgesetzt:


>>>O-TON: "Soll man ertragen, was unleidlich ist? ..."


Tell allein soll nach dem Willen Schillers das geknechtete Land aus den Fesseln der Tyrannei befreien, denn aufs Volk wollte der Dichter, der die Gräuel der Französischen Revolution mit Abscheu registrierte, keine Karte setzen. Und so wurde die überlieferte Geschichte einer Volkserhebung zur Dekoration degradiert, und den ehrenwerten Kantonsrebellen Stauffacher und Melchthal bleiben nur Nebenrollen.



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