Werke bis 1805  10




Ruth Berghaus hat diese "tönenden Steinbilder" 1989 an der Freien Volksbühne kongenial in Szene gesetzt:

 

Schiller wollte, wie er in der Vorrede zu seinem Stück schrieb, "die moderne gemeine Welt in die alte poetische" verwandeln, und dazu bediente er sich eines Chores, den er dazu bestimmte, durch Worte (Erklärungen, Beschwörungen, Räsonnements) Verlorenes einzuholen:

 

Der Dichter muß die Palläste wieder aufthun, er muß die Gerichte unter freien Himmel herausführen, er muß die Götter wieder aufstellen.

 

Mag sein, dass es so ist: Dass der Dichter der nahen und ferneren Geschichte ausweichen muss, um Kunst möglich zu machen; aber er kann es nicht. Das antikisierende Experiment Schillers misslang, weil der Dichter die Voraussetzungen ignorierte, die das Drama der Alten ermöglichte - den Glauben etwa an eine von den Göttern bestimmte Weltordnung oder die von Affekten befreiende Wirkung des Tragischen.

 

Noch ein einziges Drama konnte Schiller vollenden - ein Geschichtsdrama, und wieder war es eines ganz neuer Art: "Wilhelm Tell", entstanden 1803/04.

 

Anders als "Wallenstein", "Maria Stuart" und "Die Jungfrau von Orleans" behandelt "Wilhelm Tell" ein seit dem 15. Jahrhundert für ‚wahr' gehaltenes historisches Ereignis, das nicht den Sieg der zerstörerischen Kraft der Geschichte über Menschen und Gesinnungen zeigt, sondern einen politisch und moralisch gerechtfertigten, glücklich endenden Aufstand gegen Tyrannei und Willkürherrschaft.

 

Der Tod des diese Herrschaft repräsentierenden Landvogts Geßler, eines ausgemachten Bösewichts, ist nicht tragisch, und keiner der an dem Geschehen unmittelbar Beteiligten hat einen Grund zur Trauer über dieses gewaltsame Ende, mit dem sich Menschen aus den Fesseln terroristischer Gewalt befreien.



Werke-1805  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs