Werke bis 1805  9




Doch Karl, der bereit ist, sein Reich einer Utopie zu opfern, kann der Wirklichkeit und seiner Regentschaft, die ihm letztlich Johanna sichert, nicht entfliehen. Er kann den Gang der Geschichte nicht umkehren. Seine Utopie kann sich in geschichtlichen Zeiten nicht erfüllen.

 

Es sei dahingestellt, wie ernsthaft Schiller mit Jenseitsvorstellungen umgegangen ist; nicht fraglich ist, dass er ihnen keinen adäquaten Ausdruck in seinen Werken geben konnte und dies vermutlich auch gar nicht wollte.

 

Er führte seine Paradies-Experimente jedenfalls nicht weiter, als er - in der Zeit von August 1802 bis Februar 1803 - eine neue Tragödie verfertigte: Die "Braut von Messina".

 

Die Fabel enthält keine wahre Geschichte, es ist nicht einmal eine wahrscheinliche; sie ist moderne Erfindung einer antikisch anmutenden, ins Mittelalter gelegten dramatischen Begebenheit:

 

Die Brüder Don Manuel und Don Cesar lieben ihre Schwester Beatrice, deren Identität ihnen unbekannt ist, und geraten in heftigste Auseinandersetzung, die mit der Ermordung Don Manuels durch Don Cesar und dessen anschließender Selbsttötung endet.

 

Wobei es die Trivialität des Drameninhalts als nahezu ausgeschlossen erscheinen lässt, dass Schiller in den Zufällen, die hier über Leben und Tod entscheiden, Momente des Tragischen gesehen haben könnte.

 

Vielmehr ist anzunehmen, dass es ihm, wie ansatzweise schon in der "Jungfrau von Orleans", in erster Linie darum ging, die Leistungsfähigkeit poetischer Form zu erproben, die durch szenisches Arrangement, durch Mimik und Gestik, aber auch durch die Art des Sprechens (durch Deklamation) zur Vorstellung reiner Kunst leiten soll.

 

Der Stoff fällt dabei zum Caput mortuum, zur Wertlosigkeit zusammen. Das (Wunsch-)Ergebnis ist klingendes Kunsttheater, wie Clemens Brentano es bei einer Aufführung im Jahr 1814 erlebte. Brentano:

 

In keinem seiner Werke hat Schiller so nach Gestalt gerungen als in der Braut von Messina; die Chöre stehen wie widerhallende Säulen, die Mutter und die Kinder wie die Gruppe der Niobe zwischen ihnen, das Ganze ist beinah architektonisch und steinern; aber es sind tönende Steinbilder, Memnonsäulen der alten Welt, welche klingen, da ihnen die wunderbare Aurora der modernen romantischen Kunst ihre Strahlen an die Stirne legt und sie zauberisch belebt.



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