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Nach einer Reihe berühmter Inszenierungen des "Wallenstein" mit Ewald Balser in Wien 1959, mit Bernhard Minetti in Recklinghausen 1961, mit O. E Hasse in Düsseldorf 1968 oder von Hansgünther Heyme in Köln 1969 muss der Theater-Zuschauer des 21. Jahrhunderts offenbar selbst zu Schillers 200. Todestag auf den "Wallenstein" verzichten.

 

Nach Beendigung des "Wallenstein" schrieb Schiller in wenig mehr als einem Jahr "Maria Stuart", ein Drama über reale Machtverhältnisse, wie sie überliefert sind: Maria, die Königin von Schottland, sucht in den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts politisches Asyl bei Elisabeth, der Königin von England. Die aber lässt die Thronrivalin umgehend verhaften und am 8. Februar 1587 unter dem Vorwurf der Verschwörung hinrichten.

 

Bezeichnend, wie Schiller mit dem historischen Material umgeht - Er gibt der Titelfigur als poetischen Rettungsanker den christlichen Glauben und die Freude über die Aussicht aufs Paradies bei, sodass sie leicht stirbt. - Und raubt der Figur damit die erwartbare Tragik ebenso wie ihrer Kontrahentin Elisabeth, die allein zurückbleibt und eine gute Regierungszeit vor sich hat.

 

Die Tragik Marias k ö n n t e darin gesehen werden, dass sie sich mit der - unbestimmten - Paradiesvorstellung im Grunde einer Schimäre hingibt.  Doch eine andere Tragik-Konstruktion liegt näher: Dass Maria getötet wird ohne ‚gehörige' persönliche Schuld, dass die Geschichte für sie keinen Platz hat und sie schlechthin zwingt, aus dem Kreis der Menschheit auszuscheiden. Und kein Widerstand hilft dagegen, nur die Hoffnung auf eine Welt, die außerhalb jeder geschichtlichen Erfahrung liegt.

 

Dass Maria den Widerstand in der Szene III, 4 dennoch probt - "von Zorn glühend, doch mit einer edeln Würde", wie es in der Regieanweisung heißt -, macht sie wiederum menschlich und verrät ein weiteres Mal nicht nur Schillers untrügliches Gespür für dramatische Schlüsselszenen, sondern auch seine Bereitschaft, theoretische Konzepte an der Realität zu brechen.

 

- Zum Wohl des Stückes, das eine Reihe bemerkenswerter Aufführungen etwa mit Cornelia Froboess und Doris Schade 1979 unter Ernst Wendt in München oder 2002 mit Corinna Kirchhoff und Elisabeth Orth unter Andrea Breth in Wien erlebte.



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