Werke bis 1805  6




Fatal für Wallenstein, dass er, durch Traum und Orakel bestärkt, ausgerechnet seinen größten Widersacher über alle Zweifel erhebt. Der entsprechende Monolog in der Szene II,3 ist einer der beliebtesten deutschen Schauspieler-Monologe und lädt zu einer kleinen Zeitreise zurück in die Schillerinterpretation der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein.

 

Es sprechen der Reihe nach: die beiden Ifflandring-Träger Albert Bassermann und Werner Krauß - die Aufnahmen stammen aus den 40er und 50er Jahren -, anschließend hören wir Ludwig Wüller, tief verwurzelt in der Rezitation des Jahrhundertbeginns:


>>>O-TON: "Es gibt im Menschenleben Augenblicke ..."


"Wallenstein" ist eine Geschichtstragödie im doppelten Sinn: Einerseits eine Tragödie des großen Einzelnen, dessen - so Schiller an Goethe - "pathetische Gewalt" die Zuschauer wünschen lässt, er möge an sein Ziel gelangen, obwohl ihm das im geordneten Gang der Geschichte nicht gestattet werden darf; andererseits eine Tragödie des Geschichtsverlaufs, der keinen moralischen Fortschritt erkennen lässt - in den Strudel des Untergangs werden Gerechte gerissen wie Ungerechte.

 

Mit großem Aufwand hat Schiller Wallenstein mit Spiegeln verschiedener Art umstellt, die zwar nicht sein Wesen einfangen, aber doch den wahren Schein seines Seins erkennen lassen. Das Soldatenlager ist ein solcher Spiegel oder der astrologische Apparat des Feldherrn, an dem ebenso alles hängt wie nichts; nicht zu vergessen die Gräfin Terzky, Wallensteins dämonische Schwägerin, die ihm bis in den Tod hinein folgt. Allein in solchem Arrangement zeigt sich das Drama als derart gekonnt, dass es - unabhängig von der Welt- und Geschichtsauffassung des Dichters - dem Publikum Vergnügen bereitet als Kunstprodukt, das - gegen das ernste Leben gestellt - heiter sein soll, wie es der "Wallenstein"-Prolog fordert.



Werke-1805  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs