Werke bis 1794  3






(DLA Marbach)

Mit dem "Don Karlos", zieht Schiller einen Schlussstrich unter die Epoche seiner Jugenddramen mit all ihren Heftigkeiten und beliebig wirkenden Schicksalen. In seinem neuen Drama visiert er "der Menschheit große Gegenstände" an, in deren Verdeutlichung er nun die eigentliche Aufgabe der Poesie entdeckt.

So signalisiert im "Don Karlos" bereits die stilisierte - und den Stoff stilisierende - Verssprache (Shakespeares Blankvers), dass dem Schönen der Vorrang vor dem vermeintlich Wahren gebührt, ebenso wie der Form vor dem Stoff und dem Ideal vor der so genannten Wirklichkeit.

 

Zum Stoff: Im Zentrum des "Don Karlos"-Dramas steht exponiert der berühmte Satz des Marquis von Posa: "Geben Sie Gedankenfreiheit -", gerichtet an Philipp den Zweiten von Spanien, den Herrscher seiner Zeit, der mit "Sonderbarer Schwärmer!" repliziert.

 

Wie kommt es zu diesem scheinbar so mutigen politischen Appell eines Soldaten an seinen König? - Durch Ermutigung: Philipp der Zweite, ein durch Weltmacht vereinsamter und misstrauisch gewordener Despot, der das Zepter partout nicht mit seinem Sohn Don Karlos teilen möchte - er sieht ihn als Kokurrenten nicht nur um die Macht, sondern auch um die eigene Frau, Karlos' Stiefmutter -, sehnt sich insgeheim nach "einem Menschen", der ihm mit Offenheit und ohne Eigennutz begegnet. Diesen meint er in Posa gefunden zu haben, einem Malteserritter, der gerade aus dem zermürbenden Glaubenskrieg in den flandrischen Provinzen zurückgekehrt ist und sich seinem König als Einziger unter den Höflingen zu entziehen scheint. Das macht Philipp neugierig; er bittet Posa zu sich und erlaubt ihm, frei zu sprechen.

 

Hören wir einen der prägendsten Philipp-Darsteller seiner Zeit: Ewald Balser. Der Marquis Posa wird gesprochen von Andreas Wolf:


>>>O-TON: "... Sonderbarer Schwärmer!"




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