Arbeitsweise  2




Schillers Arbeitsweise war höchst ökonomisch, er ging mit dem Vorrat seiner Ideen, Kenntnisse und Bilder ebenso souverän um wie mit seiner Kraft und der ihm zur Verfügung stehenden Zeit. Es ist vielfach bezeugt, dass er im Gespräch rasch und oft ungeduldig war; es ist überliefert, dass er an einem Vormittag zehn Briefe schreiben konnte, ohne formal oder inhaltlich nachlässig zu werden. Nächtelang quälte er sich, um den Forderungen seiner Gläubiger gerecht zu werden: Er produzierte auch, damit die finanzielle Last geringer werde. Und da die verzehrende Krankheit ihm immer wieder unfreiwillige Ruhepausen aufzwang, konzentrierte er sich in den Zeiten, da es ihm erträglich ging, um so angestrengter. Wobei manches zu schnell verfertigt wurde.

 

Böttiger, der 1791 nach Weimar gekommen war, befand:

 

"Schiller arbeitet periodisch mit erschöpfender Anstrengung Tag und Nacht, wo er sich durch Kaffee munter erhält. Bei einem ihm stets vorschwebenden Ideal von Vollkommenheit arbeitet er auch sehr mühsam, und muß Alles gleichsam erst aus sich herauspumpen."


Und ein Jena-Besucher berichtet im Jahr 1796:

 

"Ganz abgesondert von aller Gesellschaft lebt er in seiner eigenen Welt. Er kömmt oft in mehreren Monaten nicht aus dem Zimmer."

 

Die pointierteste Charakterisierung aber stammt von Wilhelm von Humboldt, der in einem Brief an Körner vom 23. November 1795 schrieb:

 

"Das Letzte, worauf sich alles bei ihm zurückführen, und woraus sich alles erklären läßt, könnte man vielleicht die Alleinherrschaft des Geistes, der inneren Kraft nennen."



Arbeitsweise  1  2  3

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs