Nachwirkungen

200 Jahre Schiller-Rezeption

 

Egon Friedells Resümee aus dem Schiller-Jahr 1909 ("Es war ein ewiges Auf und Ab") kann noch präzisier gefasst werden: Zwar ist Schiller - seit nunmehr über 200 Jahren - nie nur hochgeschätzt, bewundert und verehrt worden - an kritischer Distanz und Polemik hat es nie gefehlt -, aber die positive Haltung gegenüber dem Dichter war zu allen Zeiten dominant, auch seine Kritiker haben nicht in Frage gestellt, dass seine Hochschätzung (auch) gute Gründe hatte. Der Protest richtete sich nicht selten gegen die falsche Begeisterung, gegen die Missverständnisse, denen Schiller (wie kein anderer deutscher Dichter) ausgesetzt war, wenn er als "Liebling der Frauen", als "Liebling der Jugend", als "Liebling des Volkes", kurz als Liebling aller apostrophiert wurde; wenn er zum Nationaldichter, zum Seher, zum Propheten ernannt wurde, wenn seine exaltierten Hochgesänge auf Freundschaft, Liebe, Sittlichkeit wie "An die Freude", "Würde der Frauen" und "Das Lied von der Glocke" als Unterpfand seiner Unsterblichkeit zu höchstem Ansehen gelangten; kurz: wenn Schillers Popularität ihm Unrecht tat.

 

Die Schiller-Kritik einiger Romantiker - etwa die aggressive der Brüder Schlegel oder die verhaltene Jean Pauls - haben in der ,schlechten' Popularität Schillers ihren Grund. Denn auch diese Kritiker zweifelten ja nicht an der überragenden Bedeutung des Kritisierten, wenigstens nicht prinzipiell und kaum mehr als begeisterte Schiller-Verehrer wie Hölderlin und Novalis.

 

Schillers Selbstbewusstsein jedenfalls war derart ausgeprägt, dass er überzeugt war, unter den deutschen Dichtern seiner Zeit keinen anderen als Goethe über sich stellen zu müssen.



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