Werke 1794-1805

Kant-Schriften +++ späte Lyrik +++ Xenien +++ Balladen +++ Wallenstein-Trilogie +++ Maria Stuart +++ Die Jungfrau von Orleans +++ Die Braut von Messina +++ Wilhelm Tell +++ Demetrius

 

Die "Briefe über die ästhetische Erziehung", die Schiller 1794 für die ersten Hefte seiner "Horen" bestimmte, gehen von der Überzeugung aus, durch die Französische Revolution sei der Beweis erbracht worden, dass Verstand und Wille nicht ausreichten, um das Ideal der (politischen) Freiheit zu verwirklichen. Es sei daher unerlässlich, den Menschen kulturell, ästhetisch, zu erziehen, bevor er durch eine menschenwürdige Gesetzgebung einer Gesellschaft von Freien angehören könne.

 

Erst durch das Kunstschöne gelange der Mensch zu sich selbst. Er bedarf der Kunst, um sittlich frei zu sein und sich seiner Vernunft ungehindert bedienen zu können. - So Schillers bemerkenswertes ästhetisches Credo.

 

Im Jahr 1795 folgt die Abhandlung "Ueber naive und sentimentalische Dichtung", die zu den originellsten und fruchtbarsten Werken der Ästhetik in der deutschen Literatur gehört. Sie beschreibt im Wesentlichen Typen von Dichtern und Grundmuster von Dichtungen, wobei sie sich bewusst von jeder traditionellen Gattungspoetik freihält.

 

Schillers von Kant übernommene Anschauung von der Welt als geteilt in Erscheinungen und ‚Dinge an sich' und seine Überzeugung, auch durch die Geschichte gehe ein - durch das Christentum hervorgerufener - Riss, legten es nahe, auch im Reich der Kunst eine prinzipielle Zweiteilung der Werke und ihrer Schöpfer anzunehmen.

 

Da ist zum einen der naive Dichter, der wie selbstverständlich einer fremden Zeit angehört, in der die menschlichen Vermögen noch nicht voneinander getrennt waren, in welcher Kunst, Religion und Wissenschaft - wie Anschauen, Denken und Handeln - eine natürliche, also unreflektierte Einheit bildeten.

 

Das muss im Einzelnen nicht so gewesen sein, versichert Schiller, aber es lässt sich so "für die Alten" denken.

 

Der Bruch nun, der in die Weltgeschichte kam, als es mit den Göttern Griechenlands zu Ende ging, veränderte auch die Bedingungen der Dichter: Sie konnten nicht länger "Natur" sein und diese solchermaßen "bewahren", sondern sie mussten sie außerhalb ihrer selbst "suchen"; sie wurden sentimentalisch, was heißt: Sie machten die Auseinandersetzung über die Kluft zwischen Wirklichkeit und Idee zu ihrem Hauptgeschäft.



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