Legenden, Lügen

Verschwörungstheorien zu Schillers Tod

 

"Es ist der Geist, der sich den Körper baut", hat Schiller Wallenstein sagen lassen - kurz vor dessen Ermordung, in "Wallensteins Tod".

 

Der Herzog von Weimar sah es so ähnlich und durch die Obduktion Schillers den Beweis erbracht, dass ein vorzüglicher Mensch imstande sei, "bloß im Kopfe" zu existieren.

 

Viele Zeitgenossen dachten nicht anders; das Staunen über dieses Leben und dieses Sterben war allgemein, und Meinungen wie: "ist zu verwundern daß er sein Leben so lang gefristet hat" (Charlotte von Stein) sind in großer Zahl überliefert.

 

Fast gleichzeitig kam von anderer Seite die Vermutung auf, der Dichter sei - wie Wallenstein - gewaltsam aus dem Leben befördert worden. Denn dass - mitten in der Arbeit am "Demetrius" - der Geist plötzlich nicht mehr willig gewesen sein sollte, schien einigen undenkbar. Bedenklich durfte auch die sonderbare Bestattung Schillers stimmen: nachts, heimlich, ohne Angehörige und Freunde. Und so wurde bereits kurz, nachdem ein Teilnehmer am dunklen Zuge in einem Leipziger Unterhaltungsblatt über die Fakten berichtet hatte, in der Hamburger Zeitschrift "Minerva" der Ruf nach Aufklärung über das Geschehene laut:

 

"Ist dies alles buchstäblich wahr, so ist es schrecklich. Diese Übereilung mit der Beerdigung, die durch keine warme Witterung nothwendig gemacht wurde! Diese äußerste Stille! Diese Mitternachtsstunde, wie bey dem Begräbniß eines an der Pest Verstorbenen! Dieser isolirt fortgeschleppte Sarg ohne alles Gefolge! Diese bestellten Handwerker, die in Weimar die Leiche eines Schillers zu Grabe tragen sollten!"

 

Da die verlangte Aufklärung ausblieb, konnten diejenigen, die nicht wussten oder ignorierten, dass es bei der Beerdigung Schillers sehr wohl mit rechten Dingen zugegangen war - die Nachtstunde war nicht ungewöhnlich und es waren durchaus Freunde, die Schiller zu Grabe getragen hatten, Goethe fehlte vor allem deshalb, weil er krank war -, ihrer Fantasie über das Ende des Dichters freien Lauf lassen.



Legenden  1  2

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs