Jugendwerke  8




In der Mitte des Stückes - Szene III, 2 - spricht Fiesko aus, was ihn antreibt.

Hören wir in einem Mitschnitt Hannes Messemer, der die Rolle bei den Ruhrfestspielen von 1964 beeindruckend zwischen Hamlet und Mephisto anlegte:


>>>O-TON: "Diese majestätische Stadt! ..."


Wie geht es weiter? - Der edle Verrina, ein alter Mann von unzweifelhaft republikanischer Gesinnung, erkennt, dass die Beseitigung des Tyrannen durch Fiesko der Stadt nur vermehrtes Unheil bringen wird; also stößt er ihn ins Meer. Aber das ist nicht so wichtig: Schiller stellt auch einen zweiten Schluss zur Verfügung, bei dem es zur Versöhnung zwischen Verrina und Fiesko kommt, womit das Drama allerdings bleibt, was es vorher war - ein von keiner höheren Notwendigkeit bestimmtes "republikanisches Trauerspiel".


Dass es jedoch in bestimmten historischen Konstellationen zu dringender Aktualität gelangt, beweist eine Sprechaufnahme von Gustaf Gründgens aus dem Jahre 1936. Gründgens gibt hier die so genannten "Tierfabel", mit der Fiesko die Genueser von der Unzulänglichkeit des Republikanismus zu überzeugen versucht:


>>>O-TON: "Genueser - Das Reich der Tiere kam einst in bürgerliche Gährung ..."


W i e Gründgens dieses Lehrstück im damaligen Kontext genau verstanden wissen wollte, ob als Rechtfertigung Hitlers oder als dessen subtile Verspottung, lässt sein Vortrag offen. Zur damaligen Zeit war dem Generalintendanten der Preußischen Staatstheater beides zuzutrauen.

 

Schiller hatte in späteren Jahren keine gute Meinung von seinem "Fiesko". Eine 1791 erwogene Bearbeitung kam nicht zustande



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