Jugendwerke  7




Als Schiller in Begleitung seines Freundes Andreas Streicher von Stuttgart nach Mannheim floh, befand sich in seinem Reisegepäck ein fast fertiges Trauerspiel, das er schnell auf die Mannheimer Bühne bringen wollte: "Die Verschwörung des Fiesko zu Genua".

 

Schon drei Tage nach seiner Ankunft in Mannheim, am 27. September 1782, las er sein Werk einem fachkundigen Publikum vor, das aber keinen Beifall zollte: Zu sehr hatte der schwäbische Dialekt des Dichters die Zuhörer vom Text des Dramas abgelenkt. Erst die genaue Lektüre durch den Mannheimer Regisseur Christian Dietrich Meyer eröffnete die Aussicht, das Drama nach gehöriger Umarbeitung in Szene zu setzen.

 

"Fiesko" machte kein großes Glück auf der Bühne. Dem Stück blieb bei der Uraufführung in Bonn, am 20. Juli 1783, der Erfolg versagt, und nicht anders war es bei den folgenden Aufführungen in Frankfurt am Main und in Mannheim.

 

Tatsächlich ist die üppige Handlung so verwirrend, dass nur derjenige, der sie kennt, ihr zu folgen vermag. Das Stück ist ein grandioses Spektakel, in dem sich Liebe und Gewalt, Intrigen und Verstellungen, hohe und niedrige Gesinnungen förmlich jagen; verschwenderisch in Worten, Gesten und Taten.

 

Es ist ein Stück voller Unwahrscheinlichkeiten und verwirrender Dialoge; eine kühne Mischung aus Präpotenz und Impotenz - theatralisch wie kein anderes Drama Schillers: und dennoch selten gespielt, mit beachtlichem Erfolg zuletzt am Nationaltheater Weimar, 1991, unter Leander Haußmann, der das Drama nicht unpassend als großen Karneval auf die Bühne brachte.

 

Worum geht es? - Fiesko ist ein Parvenü, ein Möchte-gern-Revolutionär, der öffentliche Interessen zu vertreten vorgibt, wenn er private Zwecke verfolgt; er spielt mit der Herrschaft wie mit der Liebe und fühlt sich als großer Maschinenmeister, dem alles zu gelingen scheint. Deshalb muss er scheitern.



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