Jugendwerke  3




In gewisser Weise sind Karl und Franz Moor Sprachrohre Schillers, der mit ihnen gegen seine drei Väter und damit gleichzeitig gegen die Zufälligkeit von Natur, Schöpfung und die Willkür gesellschaftlicher Herrschaft opponiert – inhaltlich wie formal.

 

Gleich in der ersten Szene wird das deutlich. Hören wir Franz Moor, gesprochen von einem der subtilsten Bösewichte des deutschen Theaters, Bernhard Minetti, in einer Aufnahme des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 1954:


>>>O-TON: "Ich habe alle Rechte, über die Natur ungehalten zu sein ..."


Und nicht minder heftig wird in der zweiten Szene der verstoßene Karl, gesprochen von Klausjürgen Wussow:


>>>O-TON: "Menschen - Menschen! falsche, heuchlerische Krokodilbrut! ..."


Wo aber bleibt das Positive in diesem Moorast? - Fassliche Gegenkonzepte sucht man in den "Räubern" - wie übrigens in den meisten großen Dramen - vergeblich. Es dominieren die Andeutungen ‚ex negativo'. So kommt Franz der göttlichen Sphäre nie näher als in der Szene V, 1, in der er seinen Nihilismus zu verteidigen versucht, stattdessen aber sein schlechtes Gewissen verrät.


>>>O-TON: "Siehe, mir däuchte, ich hätte ein königlich Mahl gehalten ..."




Jugendwerke  1  2  3  4  5  6  7  8

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs