Leben bis 1782  2






(DLA Marbach)

Fast acht Jahre lang blieb Schiller in einem Institut, in dem ein äußerst strenges Regiment herrschte: Tag für Tag wurden dem Herzog detaillierte Berichte über das Betragen, den Gesundheitszustand und die Leistungen der Schüler, seiner ‚Kinder', vorgelegt; Tag für Tag zeitigten die Berichte Strafen und Belohnungen.

 

Schiller hatte einen dritten Vater bekommen, den er liebte und hasste, weil er stärker war als sein leiblicher Vater und gegenwärtiger als sein ‚himmlischer'.

 

Vier Jahre nach Beendigung seiner Schul- und Studienzeit hat Schiller - in der Ankündigung seiner "Rheinischen Thalia" - mit Verve gegen das Bildungsinstitut des württembergischen Herzogs polemisiert und dabei von den "Verhältissen", die ihm "zur Folter waren" und von der erzwungenen Unbekanntschaft mit der "wirklichen" Welt gesprochen. Doch gewinnt Schiller diesem Umstand auch Positives ab - im Widerstand gegen die früh erfahrene Unfreiheit habe sich seine poetische Welt, habe sich sein schriftstellerisches Talent entwickelt.

 

"Leidenschaft für die Dichtkunst ist feurig und stark, wie die erste Liebe. Was sie ersticken sollte, fachte sie an."

 

Vor allem den Dramen, in denen sich der herzogliche Unterdrücker in eine Vielzahl Freiheit vernichtender Gestalten aufgespalten zu haben scheint, merkt man diesen poetischen Widerstand an: Schiller konfrontiert Bühnen-Tyrannen wie Philipp von Spanien, Elisabeth von England oder den Landvogt Geßler konsequent mit dem erbitterten Widerspruch ebenbürtiger Titelhelden wie Don Carlos, Maria Stuart und Wilhelm Tell - und es sind gerade diese Szenen, die zu den größten dramatischen Leistungen Schillers zählen.



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