Einleitung  2




Nicht geringer war die künstlerische Freiheit, die sich Thomas Mann in seiner Beschreibung Schillers von 1905 nahm, er beschäftigte sich damals gerade mit dem "Wallenstein". Der 30 Jahre alte Autor der "Buddenbrooks" schreibt:

 

"Sein weißer Hals ragte lang aus der Binde hervor. Sein rotes Haar war aus der hohen und zarten Stirn zurückgestrichen. An der Wurzel der großen, gebogenen Nase, die unvermittelt in eine weißliche Spitze endete, traten die starken Brauen, dunkler als das Haupthaar, nahe zusammen. Gezwungen, durch den Mund zu atmen, öffnete er die dünnen Lippen, und seine Wangen, sommersprossig und von Stubenluft fahl, erschlafften und fielen ein."


Was stimmt an diesen Bildern? - An der Größe der schillerschen Nase kann nicht gezweifelt werden. Ebenso gewiss ist freilich: Sein Haar war rötlich, nicht rot. Amtlich beglaubigt ist, dass Schiller mit 21 Jahren 1,81 m groß gewesen ist.
Sonst aber ist wenig Faktisches überliefert.

 

Als Schiller 15 Jahre alt war, lobten nur wenige Mitschüler seinen Sinn für Reinlichkeit. Und da auf diese Tugend in der Karlsschule großer Wert gelegt wurde, ist anzunehmen, dass er ziemlich unsauber war. In späterer Zeit - nach Schillers Tod - hat sich sein Mitschüler Wilhelm Petersen erinnert:

 

"Am Körper war Schiller, wie Kant, ganz das Ebenbild seiner Mutter, langhalsig, röthlich behaart, sommersprossig, leberfleckig. Hatte er gerade keinen Tabak, so kitzelte er seine Geruchs-Nerven mit Staub."

 

Dann die Notiz:

 

"Kein Sinn für das Auserwählte, Erlesene
Im Sinnlichen ohne alles Feingefühl
Kretzende Weine, schlechter Schnupftabak, garstige Weiber."

 



Einleitung  1  2  3  4  5

 

Anzeigen





Das neue Schiller-Buch
von Norbert Oellers







Schiller: Das Wichtigste auf 2 CDs