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Aber auch in der (nahe liegenden) Verwendung seines Werks zu politischen Zwecken:

 

"In den glorreichen Kriegen gegen Napoleon, durch die das deutsche Volk den Druck fremder Gewaltherrschaft abschüttelte, waren es schillersche Gedanken, an denen sich die Begeisterung entzündet hatte"

 

behauptete ein Festredner im Schillerjahr 1905. Er übertrieb zwar, aber sagte auch Richtiges: Im Taumel nationaler Begeisterung war Schiller prompt zur Stelle; "Wallensteins Lager", "Die Jungfrau von Orleans" und "Wilhelm Tell" hatten Hochkonjunktur auf den Bühnen und die Freiheitskämpfer ermunterten sich mit dem Reiterlied aus dem "Wallenstein":


>>>O-TON: Reiterlied


Lebhafter noch war die nationale Schiller-Begeisterung im Jahr 1859: Tausendfach erklang im Namen des Dichters der Ruf nach politischem Fortschritt, der in der Einheit Deutschlands gesehen wurde. "Die gesamte deutsche Nation", so zog Ende des Festjahres Berthold Auerbach Bilanz, habe

 

Zeugnis abgelegt, wie sie sich zum deutschen Geiste bekennt, und Schiller ist und bleibt der Fahnenruf zur schönen Menschlichkeit, zur deutschen Brüderlichkeit und nationalen Kraft.

 

Der politische Missbrauch, der mit Schiller gerade in der NS-Zeit getrieben wurde, gehört zu den bedenklichsten Wirkungen, für die er herhielt - auch wenn sich die Komplexität seines Werks gelegentlich selbstständig machte und an propagandistischen Vereinnahmungen rächte. So durch den Szenenapplaus im "Tell" oder dem "Don Karlos", mit dem die Machthaber des Dritten Reichs gelegentlich im Theater konfrontiert wurden.



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